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DIY: Ein Tomatenhaus bauen

Von am Jul 15, 2015 in DIY | 6 Kommentare

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Garten-DIY: Wie ich mein Tomatenhaus gebaut habe - eine Anleitung. In German - translatable

Heute: Wie ich meinen Tomaten ein komfortables Tomatenhaus gebaut habe

Tomaten standen von Anfang an auf meiner Anbau-Liste für 2015 ganz oben. Für mich stand  auch fest, dass ich die Tomaten-Pflanzen selbst aus Samen anziehen wollte. Beim Stöbern in meinen Gartenkatalogen und auf Internetplattformen hat mich die Vielfalt des Angebots immer fasziniert!

Mein erstes neues "Gebäude" im Garten: Mein Tomatenhaus !

Mein erstes neues „Gebäude“ im Garten: Mein Tomatenhaus !

Es gibt für jede Einsatzmöglichkeit (aromatische, kleine Früchte für den Rohverzehr, große, fleischreiche für Püree, Ketchup,…) und die verschiedensten Standortbedingungen die geeignete Tomaten-Sorte, vom Aussehen mal ganz abgesehen: gelbe, orange, schwarze, getigerte, herzförmige und ovale Tomaten machen einem die Auswahl schwer.

Denn auch dies habe ich gelernt:

Stöbern, sich schlau machen und überlegen, was man im nächsten Jahr anbauen möchte, ist wohl eine der schönsten Beschäftigungen in der vermeintlich für Gärtner arbeitslosen Wintersaison und steigert die Vorfreude.

Auch war mir sofort klar, dass ich kein Tomatenhaus oder Tomatenzelt aus dem Gartenfachhandel wollte – ich wäre nicht ich, wenn dies anders wäre. Ich wollte etwas Hübsches und Solides für meine selbst gezogenen Lieblinge, kein klappriges Gestell aus morschen Latten, von dem die Folien-Fetzen herunterhängen.

Seit Himmelfahrt bewohnen meine Tomatenpflanzen der Sorte „Matina“ und „Lupitas“ nun ihr maßgeschneidertes Tomatenhaus in meinem kleinen, wilden Garten.

Was alle Tomatensorten gemeinsam haben ist, dass sie kein Wasser von oben mögen. Von unten? Gerne und reichlich! Aber von oben? Wassertropfen auf ihrem Laub werden sofort mit braunen Flecken bestraft!

Mittlerweile zeigt sich bei den Ersten ein "sanftes Erröten!...

Mittlerweile zeigt sich bei den Ersten ein „sanftes Erröten!…

Mit  diesem Beitrag möchte ich zeigen, wie ich an mein kleines Tomatenhaus – Projekt herangegangen bin …

… damit sich vielleicht auch andere trauen, so ein Projekt nach den eigenen Wünschen zu verwirklichen:

Ich hatte am Anfang reichlich Bammel davor: Bekomme ich das Tomatenhaus gerade und stabil aufgerichtet? Habe ich genug Kraft und das richtige Werkzeug? Es wird also keine Anleitung sein, die man 1:1 nachbauen kann, sondern eher eine Anleitung dafür, wie man auch als eher ungeübter Hobby-Handwerker so ein Projekt plant und umsetzt, so dass für einen selbst die optimale Lösung dabei herauskommt.

Bei der Planung meines Tomatenhauses waren die folgenden Punkte für mich ausschlaggebend:

 

  1. Welches Material passt in mein Auto? Balken mit einer Länge von 2 m bekomme ich gerade noch in meinen Mini.
  2. Wie viele Pflanzen soll das Tomatenhaus beherbergen? Ich muss die Ernte allein bewältigen und verarbeiten können. Mehr als vier Tomatenpflanzen sollten es daher nicht sein.
  3. Meine Kraft und Reichweite: Mit meinen 1,65 m bin ich, was Höhe angeht, stark limitiert.

Das Tomatenhaus hat eine Breite von 1,8 Metern, das Dach liegt bei 2 m. Bei einem Dachüberstand von 10 cm auf jeder Seite habe ich bei 2 m-Balken keinen Verschnitt, ich muss aber auch nichts anflicken. So ist die Breite des Hauses entstanden.

Die senkrechten, vorderen Balken sind 1,75 m und die hinteren 1,9 m lang.

 

Um mir die Dimensionen von meinem Tomatenhaus vorstellen zu können, habe ich mich dann ehrlich gesagt an meinem Kleiderschrank orientiert – Frau halt…

Bei all meinen größeren Handwerksprojekten habe ich bisher gelernt, dass gute Planung sich immer auszahlt. Darum beginne ich meistens mit einer Skizze. Was ich erst nur locker auf einen Schmierzettel werfe, wird mit der Zeit immer konkreter, bis ich das, was ich mir vorstelle, auf Milimeter-Papier aufzeichne. Dort markiere ich dann auch die Position der Schrauben und anderer Teile.

Eine Zeichnung hat den Vorteil, dass man daran abzählen kann, wie viele Schrauben, Winkel und anderes Zubehör man braucht. Anhand der Zeichnung erstelle ich meinen Einkaufszettel. Die meisten Baumärkte haben Internetseiten, auf denen man sich über die Preise der Materialien informieren kann. Mit diesen Angaben kalkuliere ich dann auch die Kosten für mein Vorhaben.

Die Holzkonstruktion des Tomatenhauses habe ich wie einen Bausatz oder ein Möbelstück von Ikea in einzelne Segmente eingeteilt, von denen jedes einzelne für sich gerade und stabil ist, um sie anschließend leicht zusammenschrauben zu können:

Im folgenden Slider habe ich ein paar Zeichnungen zusammengestellt, die zeigen, wie ich die einzelnen Teile angefertigt und miteinander verbunden habe:


Für den Bau habe ich die folgenden Werkzeuge benötigt:

 

 

Fundamente:

Damit mir nicht der erste norddeutsche Gewittersturm das Tomatenhaus flach legt, habe ich es auf insgesamt sieben Punktfundamente gestellt. Dazu habe ich die Abstände der senkrechten Balken auf dem Boden markiert, dort Löcher gegraben und große Kunstoff-Blumentöpfe eingesenkt. Die Holzbalken stehen 20 cm tief in diesen Töpfen.

Dieser Blumentopf-Trick kommt einem anfänglich etwas komisch vor, macht aber schöne, saubere Fundamente, insbesondere dann, wenn man wie ich auf Sandboden arbeitet, in dem sich kein Loch ausheben lässt, ohne das es gleich wieder dicht rieselt. Ich arbeite jetzt immer so, wenn ich was befestigen muss.

Tomatenhaus II

Links: Rohbau ohne Dach im Abendlicht, rechts: fertiges, bepflanztes Tomatenhaus heute.

Reihenfolge:

1. Zuerst habe ich die h-förmigen Vorder- und Seitenteile gebaut und sie jeweils zu einem „L“ (von oben betrachtet natürlich) miteinander verschraubt. So miteinander verbunden sollten diese Ls nun in der Lage sein, alleine und aufrecht zu stehen. Die Ls habe ich dann in die versenkten Blumentöpfe gestellt.

2. Anschließend habe ich die beiden Hälften der Rückwand angefertigt und sie  in ihre Blumentöpfe gestellt und jeweils an das L geschraubt – also zu einer Art „U“.

Die Seiten- und Rückteile haben aufgrund ihrer Größe einen diagonal verlaufenden Balken zur Stabilisierung der Konstruktion. Die Wirkung dieser diagonalen Streben sollte man nicht unterschätzen.

Wie ich die Maße für die Diagonale auf das Holz übertrage und sie mit der Kontstruktion verschraube, habe ich in meinem Gartentor-Post beschrieben. Hier ist der Link zum Beitrag:

Ein Gartentor bauen

Der einzige Unterschied ist, dass ich die diagonalen Streben beim Tomatenhaus allein schon wegen der Größe der Teile mit zwei Schrauben befestigt habe.

3. Die Hälften der Rückwand teilen sich den hinteren, mittleren Blumentopf. Beide Hälften habe ich sauber ausgerichtet, mit Schraubzwingen gesichert und wechselseitig miteinander verschraubt.

4. Über die Vorder- und Rückseite verläuft jeweils ein durchgehender Querbalken, der auch das Dach trägt. Für die Aufnahme der Sparren habe ich schräge Aussparungen in die Balken gehauen – mein Dach hat eine Neigung von 10 Grad. Damit das Regenwasser gut ablaufen kann, sollte es nicht weniger sein. Die Aussparungen erhält man, wenn man sie am Balken anzeichnet, den Balken mit der Handsäge schräg einsägt und dann mit einem Hammer und einem Stechbeitel die Aussparung einschlägt.

5. Die Querbalken verbinden die einzelnen Wandteile miteinander und verleihen der Konstruktion sehr viel Stabilität. Die Zeichnungen zeigen, wo die Querbalken an den Wänden verschraubt werden.

6. Vor dem Bau des Daches musste ich erst einmal sicherstellen, dass alle Teile senkrecht und im rechten Winkel zueinander ausgerichtet sind. Wo dies nicht der Fall war, habe ich die Position der Pfosten durch Unterkeilen mit einem Stück Holz oder einem Stein korrigiert. Alles in allem stand mein Tomatenhaus in diesem Stadium schon sehr gerade.

7. Nach dem Ausrichten habe ich für die Fundamente die Blumentöpfe mit Blitzzement gefüllt, Wasser dazu gegeben und mit dem Blitzzement verrührt.  Wenn die Fundamente ausgehärtet sind – was enorm schnell geht – können die Teile des Tomatenhauses ihre Position nicht mehr verändern, was der gesamten Konstruktion eine enorme Stabilität verleiht.

Das Dach:

 

Ein Blick unter das fast fertige Dach - hinten sind noch die Schraubzwingen zu sehen. An den Schnüren sind die Tomatenpflanzen angebunden.

Ein Blick unter das fast fertige Dach – hinten sind noch die Schraubzwingen zu sehen. An den Schnüren sind die Tomatenpflanzen angebunden.

Mein Tomatenhaus hat zu allen Seiten einen Dachüberstand von 10 cm. Die Wellplatten ragen vorne und hinten noch etwa 2 cm darüber hinaus, damit das Regenwasser nicht am Holz abläuft.

Damit man sich die Proportionen des Daches zum Haus besser vorstellen kann, legt man  am Besten einen Balken in die dafür vorgesehenen Aussparungen in den Querbalken und markiert dann, wo der Dachüberstand auf beiden Seiten aufhört und endet.

Anhand dieser Markierungen habe ich dann einen Musterbalken zugesägt und nach diesem Muster die vier weiteren Sparren angefertigt. Diese von vorne nach hinten verlaufenden Streben habe ich dann – wie in der letzten Zeichnung des Sliders – auf den Querbalken geschraubt.

Wie die letzte Zeichnung auch zeigt, ist das Dreieck unter dem Dach an den Seitenteilen wegen der besseren Belüftung offen. Damit Regen nicht so leicht in das Haus hineinlecken oder -wehen kann, wollte ich auch seitlich einen Dachüberstand haben. Darum habe ich quer über die Dachsparren noch einmal etwas dünnere Leisten gelegt

und verschraubt. Diese Leisten ragen auf beiden Seiten 10 cm über die Seitenteile hinaus.

Das Gerippe ist fertig - die Rückwand ist bereits verkleidet.

Das Gerippe ist fertig – die Rückwand ist bereits verkleidet.

Wellplatten verarbeiten:

Mein Tomatenhaus habe ich mit Sinus-Wellplatten 76/18 aus PVC verkleidet. Dabei habe ich die Vorderseite komplett offen gelassen. Eigentlich wollte ich es erst vorne schließen und sogar eine zweigeteilte Tür einbauen. Doch meine Gartennachbarin Irene, die sich durch locker 20 Jahre Gartenerfahrung auszeichnet, meinte, ich sollte das Haus auf keinen Fall zu dicht machen – dies verhindert die Zirkulation und begünstigt Schädlingsbefall. Als Garten- und Tomaten-Neuling bin ich natürlich für jeden Tipp, den ich von erfahrenen Vereinskollegen bekomme, dankbar.

Transparente Wellplatten oder Trapezplatten gibt es in allen möglichen Qualitäten – und natürlich einer entsprechenden Preisspanne. Ich habe mich für das günstigste Material entschieden, den zum einen baue ich das Häuschen nicht auf eigenem Grund und Boden – dann würde ich sicherlich hochwertiger planen – und zum anderen soll das Material nicht isolieren.

Wellplatten zu bearbeiten ist für mein Empfinden äußerst tricky.

Laut Hersteller soll man  für den Zuschnitt fein gezahnte Sägeblätter und eine Handkreissäge oder Stichsäge verwenden. Nach meiner Erfahrung – vielleicht lag es auch an der Qualität des Materials – splittert das Zeug bei der kleinsten Berührung mit gezahntem Metall.

Womit ich – nachdem ich eine Platte komplett versaut hatte – endlich Erfolg gehabt habe, war eine Trennscheibe für meine Handkreissäge, die für die Bearbeitung von Steinen gedacht ist: sie hat keine  Zähne, sondern nur einen „rauhen“ Rand. Das Arbeiten mit einer Handkreissäge ist ohnehin schon laut und ich mache es nicht gerne, aber: Wellplatten schneiden mit so einer Scheibe macht einen Höllen-Lärm – daneben stinkt nach Kunststoff und hier und da lässt sich das Splittern nicht vermeiden. Es ist also richtig ätzend…

Also: Ohren, Nase und Mund gut schützen und den Mist nicht einatmen!

Von oben nach unten: Schälbohrer, Gummi-Unterlegscheibe, Abstandshalter

Von oben nach unten: Schälbohrer, Gummi-Unterlegscheibe, Abstandshalter

Ich hatte zum Glück so geplant, dass ich bis auf die Seitenteile nichts zuschneiden musste.

 

Die Platten, mit denen ich die Rück- und Seitenwände verkleidet habe, sind von Hornbach und haben das merkwürdige Maß von 0,9 x  1,4 m.

Die Platten für das Dach sind von Obi und haben ein Maß von 0,6 x 1,1 m.

Am Besten überlappen sich die Platten immer um zwei bis drei Wellen.

Eine weitere Spezialität dieses Materials ist, dass es sich nicht mit normalen Bohrern bohren lässt. Ich habe mir einen extra dafür vorgesehenen Schälbohrer gekauft, der ist konisch geformt und „schält“ im wahrsten Sinne des Wortes ein Loch in die Platte. Ich habe in jede „tiefe“ Welle ein Loch gebohrt.

Worauf die Hersteller immer hinweisen ist, dass die Bohrung auf jeden Fall deutlich größer sein muss als die Schraube dick ist. Das Material ist dem Wind und unterschiedlichen Temperaturen ausgesetzt und ist dadurch ständig in Bewegung, dehnt sich aus und zieht sich wieder zusammen. Wenn die Bohrungen zu klein sind, wird die Platte durch die stetige Spannung reißen. Bei mir sind sie 8 mm groß.

Damit das Dach trotzdem dicht ist und der Schraubenkopf nicht durch das große Loch rutscht, gibt es spezielle Unterlegscheiben aus Gummi. So kommt das Metall der Schraube nicht an den sensiblen Kunstoff, der Gummiring polstert ab und die Platte kann sich trotzdem noch bewegen.

Es gibt auch Spezialschrauben, die einen abdichtenden Kunststoffhut haben, den man nach dem Eindrehen der Schraube auf den Schraubenkopf drückt. Ob man die verwenden möchte, ist eine Kostenfrage. Man braucht Unmengen an Schrauben. Wie viele Befestigungen auf einen Quadratmeter kommen, erklären die Hersteller oft in ihren Foldern, die im Baumarkt beim Material ausliegen. Diese kleinen Info-Blätter sollte man sich auf jeden Fall mit nach Hause nehmen und durchlesen.

Wichtig – und hier lag mein großer, einziger Fehler, der zur Folge hatte, dass mir der Wind erstmal die Dachplatten komplett abgerissen hat: Der Schraubenkopf muss groß genug sein und sollte am Besten einen Linsenkopf haben, also sich nicht in das Material einsenken, sondern flach oben aufliegen.

Nun sieht es ja doof aus, wenn man die Platte so rum anbringt, das die letzte Welle nach unten zeigt!

Dann steht der Rand der Platte nämlich nach außen ab. Also besser die Platte umdrehen. Zum Befestigen an dieser letzten Welle habe ich mir die sogenannten Abstandshalter besorgt. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass die Schraube durch den Abstandshalter bis in das Holz hineinreichen muss – sie muss also entsprechend länger sein.

Das letzte Foto der Collage zeigt einen fertig verarbeiten Abstandshalter mit einer weichen Unterlegscheibe.

Ich hoffe, dass ich mit diesem sehr ausführlichen Post den angehenden Tomatenhaus-Eignern keine Angst vor ihrem künftigen Projekt gemacht habe.

Wie schon geschrieben – meine Absicht war nicht, eine Anleitung zu verfassen, die man Schritt für Schritt nacharbeiten kann. Vielmehr möchte ich – und das gilt für Rost & Rosen und meine Tätigkeit als Blogger insgesamt – dazu anregen und motivieren, eigene Ideen zu verwirklichen mit viel Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Zur Unterstützung kann ich hier  meine Erfahrungen mit der Planung und dem Material weitergeben.

Denn wenn dann das fertige Ergebnis da steht und gut aussieht – es gibt wohl kaum ein schöneres Gefühl. Wie sagte doch immer Hannibal, der Chef des A-Teams aus der gleichnamigen Fernseh-Serie:

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“

Ich freue mich auf eine reichliche Tomatenernte und werde Euch auf dem Laufenden halten!

Herzlichst, Eure

Unterschrift mittel

6 Kommentare

  1. Alex

    Juli 16, 2015

    Kommentar absenden

    Hallo Petra,
    das klingt ganz schön aufwendig, aber es hat sich geloht: Dein Tomatenhaus sieht super aus! Ich drücke dir die Daumen für eine gute Ernte! 🙂

    Liebe Grüße,
    Alex

    • Petra

      Juli 16, 2015

      Kommentar absenden

      Hallo Alex, das war es auch, aber es hat sich auch gelohnt: Es hängen ein paar Kilo Tomaten drin.
      Vielen Dank für das nette Feedback!
      Lieben Gruß
      Petra

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